Sharif und Ezgi: eine Go!Empowerment-Erfolgsgeschichte

Berlin Neukölln an einem Donnerstagabend:
„Ich war gestern wieder trainieren.“  
„Ich auch.“     
„Echt? Dann hätten wir uns ja sehen müssen.“       
„Du machst ja einen Kurs, ich nur Maschine.“         
„Ja, Jungs machen immer nur Maschinen…“ 

Als sich Ezgi und Sharif an diesem sonnigen Abend auf dem Tempelhofer Feld treffen, ist es, als wenn sich alte Freunde treffen würden. Man kennt sich eben. Man wohnt in der gleichen Nachbarschaft, mag den Eisladen um die Ecke und teilt eben auch zufällig das selbe Fitnessstudio. Doch die beiden kennen sich erst seit etwa einem Jahr. Sie sind ein Tandem des Projekts Go!Empowerment, ins Leben gerufen von Hürdenspringer Neukölln am Karl-Marx-Platz.

Allein in Berlin

Sharif ist 20 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und durchtrainiert. Neben dem Fitnessstudio geht er oft schwimmen. Vor etwa zweieinhalb Jahren kam er allein nach Berlin. Der Anfang hier war denkbar schwer: „Ich konnte kein Deutsch, ich habe niemanden verstanden.“ Sharif sagt das heute ohne Wehmut. Seine Mentorin, Ezgi, sagt: „Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, war bei ihm schon alles in Ordnung.“ Denn bei all den komplizierten Verfahren der Berliner Flüchtlingspolitik und den langen Wartezeiten klingt Sharifs Geschichte wie ein kleines Märchen. Nach etwa drei Monaten in einer Unterbringung fand er eine betreute Wohngemeinschaft in Neukölln. Von seinen Betreuer*innen erfuhr er auch vom Mentoringprojekt bei Hürdenspringer.

Doch seinen schulischen Weg ging Sharif allein. Er besuchte zunächst eine Willkommensklasse für geflüchtete Minderjährige und geht jetzt in ein Marzahner  Oberstufenzentrum. Und ganz nebenbei hat er auch schon einen Ausbildungsplatz bei Edeka gefunden: „Ich bin zur Magdalenenstraße gefahren, habe dort einen Test gemacht und dann haben sie mir den Ausbildungsplatz angeboten.“ Einmal in  der Woche arbeitet und lernt er jetzt bei Edeka als Verkäufer. In zwei Jahren ist er fertig.

Schon sein Vater hatte ein kleines Geschäft in Afghanistan. „Die Arbeit macht mir Spass.“, sagt Sharif und schaut verlegen. Er spricht nicht gern über seine Stärken, so dass Ezgi für ihn übernimmt: „Er ist sehr motiviert, was Sprachen betrifft. Er hat super schnell Deutsch gelernt. Und dann haben wir zusammen Englisch und Grammatik geübt. Als wir uns beim nächsten Mal getroffen haben, mussten wir fast nichts wiederholen, er hat sich alles gemerkt.“

Blind gematcht und gut getroffen

Die Beiden scheinen sehr gut miteinander zu harmonieren. Und das, obwohl ihr Tandem quasi blind „gegründet“ wurde. Denn weder Ezgi, noch Sharif waren beim so genannten Matching dabei, als die Tandems während eines Sommerfestes bei Hürdenspringer zusammengeführt wurden. Dass die Mitarbeiter*innen bei Hürdenspringer ein gutes Händchen bei der Auswahl bewiesen haben, zeigt sich gut bei einer anderen Begebenheit.

Denn auch Ezgi kann von Sharif etwas lernen: „Manchmal konnte ich eine Sache auch nicht auf Deutsch erklären und dann habe ich es in meiner Muttersprache Türkisch versucht. Und da haben wir festgestellt, dass es in Dari [Afghanisches Persisch] ganz ähnlich ist. So konnte ich auch eine neue Sprache kennenlernen.“ Nach einer kurzen Pause fällt ihr schließlich noch eine weitere Stärke Sharifs ein, die er gern bejaht: „Er ist ein super Gastgeber und ein toller Koch!“, schwärmt die junge Frau. Keine schlechten Voraussetzungen für die Langlebigkeit eines Tandems.

Von Maximilian Fleischer